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    Koreanische Kosmetik in der EU: was zugelassen ist und was nicht

    Auf dem koreanischen Etikett steht eine Wirkung, auf der deutschen Version desselben Produkts steht sie nicht mehr. Das ist kein Übersetzungsfehler und keine Zurückhaltung des Händlers. Korea und die EU sortieren Kosmetik nach zwei grundverschiedenen Systemen — und das eine kennt eine Kategorie, die es hier schlicht nicht gibt.

    Koreanische Sonnencreme mit SPF-50-Kennzeichnung für den europäischen Markt
    Sonnenschutz ist der Fall, an dem die beiden Systeme am deutlichsten auseinandergehen.

    Zuerst der wichtigste Satz: „EU-zugelassen" gibt es nicht

    Kosmetik wird in der EU nicht zugelassen. Es gibt keine Behörde, die ein Serum prüft und dann freigibt, und deshalb gibt es auch keinen Stempel, nach dem du suchen könntest. Stattdessen verlangt die EU-Kosmetikverordnung drei Dinge, bevor ein Produkt hier verkauft werden darf.

    1

    Eine verantwortliche Person

    Eine benannte Firma oder Person mit Sitz in der EU, die für das Produkt geradesteht. Ihre Anschrift muss auf der Verpackung stehen.

    2

    Eine Sicherheitsbewertung

    Ein Sachverständiger bewertet die Rezeptur, bevor das Produkt auf den Markt kommt. Die Unterlagen müssen jederzeit abrufbar sein.

    3

    Eine Meldung im CPNP

    Jedes Produkt wird vorab in einem EU-Portal angemeldet, damit Giftinformationszentren im Ernstfall die Rezeptur kennen.

    Daraus folgt eine praktische Regel: Wenn dir jemand ein Produkt als „EU-zugelassen" anpreist, beschreibt das keinen Prüfvorgang. Aussagekräftig ist nur, was tatsächlich auf der Packung steht — und darauf kommen wir weiter unten Punkt für Punkt.

    Korea kennt elf Sonderkategorien, die EU kennt keine

    In Korea gibt es zwischen normaler Kosmetik und Arzneimitteln eine Zwischenstufe: 기능성화장품, Funktionskosmetik. Die Arzneimittelbehörde MFDS führt dafür elf Kategorien. Für eine dieser Kategorien muss ein Hersteller die Wirkung entweder in einem Verfahren belegen lassen oder das Produkt unter genau festgelegten Bedingungen melden.

    Zwei Systeme, eine fehlende Stufe

    KOREA Allgemeine Kosmetik Pflege ohne besondere Auslobung Funktionskosmetik Elf Kategorien, von der MFDS geprüft oder unter Auflagen gemeldet Arzneimittel EU Kosmetisches Mittel Eine einzige Kategorie, geregelt in der Kosmetikverordnung Diese Stufe fehlt Deshalb verschwinden manche Angaben Arzneimittel Eine Aussage aus der mittleren Stufe landet in der EU entweder in der normalen Kosmetik oder im Arzneimittelrecht — dazwischen gibt es nichts.

    Vereinfachte Darstellung der Kategorien. Korea kennt daneben noch Quasi-Arzneimittel, die hier nicht abgebildet sind.

    Welche Angabe überlebt den Weg nach Europa?

    Fünf typische Auslobungen von koreanischen Packungen. Tipp an, was dich interessiert.

    Darf das auf ein deutsches Etikett?

    Fünf Auslobungen, fünf unterschiedliche Antworten.

    Halb — die Zahl bleibt, das Kürzel geht

    In Korea: UV-Schutz ist eine der elf Funktionskategorien. Die UVA-Leistung wird als PA+ bis PA++++ angegeben.

    In der EU: Sonnenschutz ist ganz normale Kosmetik, aber die Kennzeichnung ist eigens empfohlen. Der höchste Wert, der aufgedruckt werden darf, ist 50+ — darüber steht nichts mehr. Statt PA-Stufen gilt hier das UVA im Kreis, und das darf nur drauf, wenn der UVA-Schutz mindestens ein Drittel des ausgelobten Lichtschutzfaktors erreicht.

    Deshalb siehst du auf Importware oft beides nebeneinander. Mehr dazu im Ratgeber zu koreanischer Sonnencreme.

    So nicht

    In Korea: 피부미백, Hautaufhellung, ist gleich zweimal in den elf Kategorien vertreten — einmal für das Vorbeugen neuer Pigmentierung, einmal für das Aufhellen bestehender.

    In der EU: Das Wort Whitening im Sinne einer Aufhellung der Haut ist hier nicht haltbar. Zulässig sind Aussagen zum Erscheinungsbild, etwa ein ebenmäßigerer Teint oder ein sichtbar gleichmäßigerer Hautton.

    Das klingt nach Wortklauberei, ist aber der Grund, warum dasselbe Produkt in Seoul und in Hamburg unterschiedlich beschrieben wird.

    Ja, mit der richtigen Formulierung

    In Korea: 주름개선, Faltenverbesserung, ist eine geprüfte Kategorie mit vorgeschriebenem Vergleichstest.

    In der EU: Auch hier darf ein Produkt mit Falten werben — allerdings über das Erscheinungsbild. „Mindert das Erscheinungsbild feiner Linien" ist zulässig, eine Aussage über den Aufbau der Haut selbst wäre es nicht.

    Der Unterschied ist juristisch groß und im Regal kaum sichtbar.

    Nein, das ist die härteste Grenze

    In Korea: 탈모증상완화 — die Linderung von Haarausfallsymptomen — ist eine eigene Funktionskategorie. Produkte tragen den Hinweis offen auf der Vorderseite.

    In der EU: Ein Produkt, das eine Wirkung auf Haarausfall auslobt, ist kein kosmetisches Mittel mehr, sondern ein Arzneimittel mit eigenem Zulassungsverfahren. Ein Shampoo kann diese Grenze nicht überschreiten.

    Ehrlich gesagt: Wir verneinen diese Frage auf unseren Markenseiten bewusst, auch wenn auf der koreanischen Packung etwas anderes steht. Was koreanische Kopfhautpflege tatsächlich leistet, steht im Ratgeber zur koreanischen Haarpflege.

    Nein, nicht als Wirkungsaussage

    In Korea: 여드름완화 ist eine Funktionskategorie, allerdings nur für Produkte, die wieder abgespült werden.

    In der EU: Akne ist eine Erkrankung. Eine Auslobung dazu verlässt den kosmetischen Rahmen. Zulässig bleiben Aussagen zu unreiner Haut, zum Erscheinungsbild von Poren oder zur Reinigung.

    Deshalb liest sich die deutsche Beschreibung eines koreanischen Reinigungsgels oft blasser als das Original. Sie ist nicht vorsichtiger formuliert, sie ist anders zulässig.

    Einordnung des Rechtsrahmens, keine Rechtsberatung und keine Aussage über einzelne Produkte.

    Drei Stoffe, bei denen die EU anders rechnet

    Neben den Auslobungen gibt es die zweite Ebene: die Rezeptur selbst. Die EU führt für einige Stoffe Höchstmengen, die in Korea so nicht gelten. Drei davon betreffen K-Beauty besonders oft.

    Stoff Was die EU festlegt Seit wann
    Retinol und seine Ester Höchstens 0,05 Prozent Retinol-Äquivalent in Körperlotionen, höchstens 0,3 Prozent in allen anderen Produkten. Dazu ein Pflichthinweis auf der Packung, der auf die tägliche Vitamin-A-Aufnahme verweist. Seit November 2025 für neu in Verkehr gebrachte Produkte, Übergangsfrist für den Abverkauf bis Mai 2027
    Alpha-Arbutin und Arbutin Alpha-Arbutin höchstens 2 Prozent in Gesichtscremes und 0,5 Prozent in Körperlotionen, Arbutin höchstens 7 Prozent in Gesichtscremes. Hydrochinon darf in solchen Rezepturen nur in unvermeidbaren Spuren vorkommen. Seit Februar 2025, für bereits im Handel befindliche Ware seit November 2025
    UV-Filter Eine Positivliste: Erlaubt ist ausschließlich, was im Anhang der Kosmetikverordnung steht, jeweils mit eigener Höchstmenge. Ein in Korea zugelassener Filter, der dort nicht aufgeführt ist, darf hier nicht eingesetzt werden. Fortlaufend, die Liste wird regelmäßig angepasst

    Wichtig für die Einordnung: Eine Höchstmenge ist kein Urteil über ein Produkt. Sie ist eine Rechengröße aus der europäischen Sicherheitsbewertung, die unter anderem berücksichtigt, wie viel Vitamin A ein Mensch insgesamt aufnimmt. Ein koreanisches Produkt über der Grenze ist nicht gefährlich — es ist für diesen Markt nicht vorgesehen.

    Koreanisches Retinol-Serum, wie es die europäischen Höchstmengen einhalten muss Augencreme mit Retinal aus koreanischer Hautpflege

    Für Vitamin-A-Pflege heißt das konkret: Was hier verkauft wird, muss innerhalb der Grenzen liegen. Ein Retinol-Serum ist der Einstieg, wenn du gezielt mit Vitamin A arbeiten willst. Wenn dein empfindlichster Bereich die Augenpartie ist, ist eine Augencreme mit Retinal der passendere Griff, weil die Textur für diese Stelle gebaut ist. Den Unterschied zwischen beiden Formen erklärt der Vergleich von Retinal und Retinol.

    Was auf der Rückseite stehen muss

    Hier wird es praktisch. Die Kosmetikverordnung listet sieben Pflichtangaben. Sechs davon kannst du in wenigen Sekunden prüfen, ohne irgendetwas nachzuschlagen.

    Die Rückseiten-Prüfung

    Sechs Angaben, die auf einer für den EU-Markt bestimmten Packung stehen.

    Das aussagekräftigste Feld

    Was da steht: Name und Anschrift einer Firma in der EU. Bei importierter Ware kommt das Ursprungsland dazu, meist als „Made in Korea".

    Warum es zählt: Diese Adresse ist die einzige Stelle, an die du dich im Zweifel wenden kannst — und sie ist der Punkt, an dem sich für den EU-Markt bestimmte Ware am schnellsten von Direktimporten unterscheidet.

    Muss auf Deutsch stehen

    Was da steht: Wofür das Produkt gedacht ist, etwa Gesichtsreinigung, Sonnenschutz oder Feuchtigkeitspflege. Entfallen darf die Angabe nur, wenn sie ohnehin offensichtlich ist.

    Warum es zählt: Bei rein koreanischer Beschriftung fehlt sie regelmäßig — für deutschsprachige Kundschaft ist sie Pflicht.

    Muss auf Deutsch stehen

    Was da steht: Besondere Vorsichtsmaßnahmen. Bei Vitamin-A-Produkten gehört seit der jüngsten Änderung ein Hinweis auf die tägliche Vitamin-A-Aufnahme dazu.

    Warum es zählt: Ein Warnhinweis, den du nicht lesen kannst, erfüllt seinen Zweck nicht. Genau deshalb schreibt die Verordnung die Landessprache vor.

    Muss auf Deutsch stehen

    Was da steht: Entweder ein Mindesthaltbarkeitsdatum oder das geöffnete Tiegelsymbol mit einer Monatszahl, das die Verwendungsdauer nach dem Öffnen angibt.

    Warum es zählt: Koreanische Packungen tragen zusätzlich oft einen Produktionscode in eigener Logik. Wie du den liest, steht im Ratgeber zu PAO und Chargencode.

    Bleibt international — das überrascht viele

    Was da steht: Die vollständige Liste, eingeleitet durch das Wort „Ingredients", absteigend nach Menge bis zur Ein-Prozent-Grenze.

    Warum es zählt: Diese Liste wird nicht übersetzt. INCI ist eine international einheitliche Nomenklatur, und genau das ist ihr Sinn — dieselbe Zutat heißt in jedem Land gleich. Eine englisch aussehende Zutatenliste ist also kein Warnzeichen. Wie sie aufgebaut ist, erklärt der Ratgeber zur INCI-Liste.

    Klein, aber Pflicht

    Was da steht: Eine Nummer oder ein Code zur Identifizierung der Herstellungscharge, häufig eingeprägt statt gedruckt.

    Warum es zählt: Ohne Chargennummer lässt sich im Problemfall nicht eingrenzen, welche Produktion betroffen ist. Sie ist außerdem eines der Merkmale, an denen sich Fälschungen erkennen lassen.

    Die Sprachpflicht gilt für Funktion, Warnhinweise, Haltbarkeit und Füllmenge. Die Inhaltsstoffliste bleibt in INCI-Nomenklatur.

    Vier Missverständnisse

    MissverständnisKeine deutsche Beschriftung heißt Fälschung
    EinordnungMeist bedeutet es nur, dass die Packung nicht für den EU-Markt bestimmt war. Das Produkt kann echt sein — es fehlt dir dann aber die verantwortliche Person als Ansprechstelle.
    MissverständnisIn der EU verboten heißt gesundheitsschädlich
    EinordnungOft geht es um Mengen und Kategorien, nicht um Gefahr. Bei UV-Filtern liegt der häufigste Grund schlicht darin, dass ein Stoff noch nicht auf der europäischen Positivliste steht.
    MissverständnisEin Aufkleber macht ein Produkt EU-konform
    EinordnungDer Aufkleber ist die sichtbare Spitze. Dahinter müssen Sicherheitsbewertung und CPNP-Meldung stehen. Sichtbar ist davon nichts — prüfbar bleibt für dich nur die Vollständigkeit der Angaben.
    MissverständnisDie vorsichtigere deutsche Beschreibung ist Marketingschwäche
    EinordnungSie ist die einzige zulässige Version. Dieselben Sätze wie auf der koreanischen Packung zu übernehmen, ergibt kein besseres Produkt, sondern eine unzulässige Aussage.

    Häufige Fragen zu koreanischer Kosmetik in der EU

    Ist koreanische Kosmetik in der EU zugelassen?

    Die Frage lässt sich nicht mit Ja oder Nein beantworten, weil es keine Zulassung für Kosmetik gibt. Entscheidend ist, ob ein Produkt für den europäischen Markt bereitgestellt wurde: mit verantwortlicher Person in der EU, Sicherheitsbewertung und Meldung im CPNP.

    Ob das erfüllt ist, erkennst du an der Vollständigkeit der Pflichtangaben auf der Packung.

    Ist koreanische Hautpflege für europäische Haut geeignet?

    Hauttyp und Herkunft hängen nicht zusammen. Trockene, fettige, empfindliche und Mischhaut gibt es in Seoul genauso wie in Hamburg, und die Wirkstoffe sind dieselben.

    Zwei Unterschiede sind real: Koreanische Routinen setzen stärker auf leichte, wässrige Schichten, und das Klima ist ein anderes. Im europäischen Winter fehlt manchen Texturen deshalb der Abschluss. Mehr dazu im Ratgeber zu Klima und Hautpflege.

    Warum steht auf der koreanischen Packung eine Wirkung, die hier fehlt?

    Weil Korea die Zwischenkategorie Funktionskosmetik kennt und die EU nicht. Aussagen zu Hautaufhellung, Akne oder Haarausfallsymptomen sind dort geprüfte Kategorien, hier verlassen sie den kosmetischen Rahmen.

    Die Rezeptur bleibt dabei häufig identisch. Was sich ändert, ist das, was darüber gesagt werden darf.

    Woran erkenne ich, ob ein Produkt für den EU-Markt bestimmt ist?

    An sechs Angaben: einer Anschrift in der EU, der Funktion des Produkts auf Deutsch, deutschen Warnhinweisen, Haltbarkeitsdatum oder Tiegelsymbol, der vollständigen Inhaltsstoffliste und einer Chargennummer.

    Fehlt davon mehreres, hast du vermutlich Ware in der Hand, die für einen anderen Markt produziert wurde.

    Warum gibt es manche koreanischen Sonnencremes hier nicht?

    Die EU arbeitet bei UV-Filtern mit einer Positivliste. Nur was dort aufgeführt ist, darf eingesetzt werden — mit jeweils eigener Höchstmenge.

    Korea führt teilweise andere Filter. Ein Produkt mit einem hier nicht gelisteten Filter kann deshalb nicht angeboten werden, unabhängig davon, wie beliebt es dort ist.

    Was bedeutet PA++++ und warum steht es hier nicht allein?

    PA ist die koreanische und japanische Skala für den UVA-Schutz, von PA+ bis PA++++. In der EU gibt es diese Skala nicht.

    Hier gilt stattdessen: Der Lichtschutzfaktor wird bis maximal 50+ ausgelobt, und das UVA-Zeichen im Kreis setzt voraus, dass der UVA-Schutz mindestens ein Drittel des Lichtschutzfaktors erreicht. Beide Angaben nebeneinander sind bei Importware normal.

    Sind die Inhaltsstofflisten auf Englisch ein schlechtes Zeichen?

    Nein, im Gegenteil. Die Inhaltsstoffliste wird bewusst nicht übersetzt, weil INCI eine international einheitliche Nomenklatur ist. Aqua heißt in jedem Land Aqua.

    Übersetzt werden müssen Funktion, Warnhinweise, Füllmenge und Haltbarkeit. Genau daran lohnt sich der Blick.

    Darf ich koreanische Kosmetik selbst importieren?

    Für den Eigenbedarf ist eine Bestellung aus Korea zulässig. Zoll und Einfuhrumsatzsteuer fallen dabei an, und die Pflichten der Kosmetikverordnung greifen erst beim gewerblichen Bereitstellen.

    Praktisch heißt das: Es gibt bei einem Direktimport keine verantwortliche Person in der EU, an die du dich wenden kannst. Was auf den Weg zu beachten ist, steht im Ratgeber zu Zoll und Einfuhrumsatzsteuer.

    Anderes Etikett, gleiche Rezeptur

    Der Unterschied zwischen einer koreanischen und einer deutschen Packung liegt selten im Tiegel. Er liegt darin, dass Korea eine Zwischenkategorie für geprüfte Wirkungen kennt und die EU nur Kosmetik und Arzneimittel. Alles, was du selbst prüfen kannst, steht auf der Rückseite.

    Adresse in der EU suchen Warnhinweise auf Deutsch INCI bleibt international
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